Eine Doula bemuttert die Mutter

Künstler: Marlene L'Abbe; waterspider.net
Künstler: Marlene L'Abbe; waterspider.net

Die Tradition der Doula ist uralt und ihre Anwesenheit und Unterstützung bei Geburten ist keineswegs eine neue Entwicklung. Die gebärende Frau wird zusätzlich zur Hebamme von einer ihr vertrauten, geburtserfahrenen Frau begleitet.

 

Das Wort Doula leitet sich aus dem altgriechischen δούλη (doulê) ab und man kann es mit “Dienerin, Magd” übersetzen. Für mich persönlich trifft es die englische Übersetzung mothering the mother – die Mutter bemuttern – sehr.

 

 

In vielen Kulturen war und ist es üblich, dass eine Gruppe von Frauen die (werdende) Mutter während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett unterstützt und umsorgt.

 

"Sobald bei einer Frau die Geburt begann, kamen alle [Frauen] im roten Zelt zusammen und teilten

die Erfahrungen und Weisheiten ihrer eigenen Geburt. Sie sangen Lieder zur Aufmunterung, baten die Göttinnen um Kraft, fütterten die wehende Frau mit Honig und nährstoffreichem Kuchen, um ihre Energie hoch zu halten. Sie rieben ihre Füße und Hände mit duftenden Ölen ein. All das taten sie, während sie darauf vertrauten, dass der Körper weiß, wie ein Kind geboren wird." (Maria Sterrenberg, 2006)

 

Die erste doula der 'Neuen Zeit' *

Alle Frauen, die nun die Aufgabe als Doula für sich entdecken und in dieser "Berufung" beginnen zu

arbeiten, um andere Frauen zu unterstützen, bewegen sich auf den Fußspuren der "ersten Doula", die in den 1970er Jahren als Studentin an den Untersuchungen zur Bindungsforschung zwischen Mutter und Kind der Wissenschaftler Dr. Klaus und Dr. Kennell teilnahm.

 

Es wurde das Verhalten von Müttern untersucht, die im Vergleich zu anderen Müttern nicht gleich nach der Geburt von ihren Kindern getrennt wurden. Man wollte herausfinden, was Mütter nach der Geburt in der ersten Stunde mit ihrem Kind machen.

 

Dieser Untersuchung vorausgegangen waren Beobachtungen bei Ziegen, die ihre Lämmer nicht mehr säugten, wenn diese länger als 20 Minuten nach der Geburt von ihnen getrennt waren. Die Trennung von Mutter und Kind war in den 70er Jahren weltweit verbreitet und wurde damit begründet, dass sich die Mutter erst einmal von den Anstrengungen der Geburt erholen sollte.

 

Welchen Effekt die Trennung zwischen Mutter und Kind bei Menschen hat, wollten die Wissenschaftler herausfinden. Die 19jährige Studentin Wendy nahm an diesen Untersuchungen teil und sollte 10 Frauen nach der Geburt beobachten und alles, was sie sah, notieren.

 

Als ihre Aufzeichnungen ausgewertet wurden, fiel auf, dass sich ihre Ergebnisse sehr von denen der anderen Studentinnen unterschieden. Ihre Frauen hatten wesentlich leichtere und kürzere Geburten, weniger medizinische Interventionen, waren sehr zufrieden mit ihrem Geburtserlebnis und stillten ihre Babys nach der Geburt.

 

Man sprach mit Wendy und fragte sie, was sie gemacht habe. Wendy erzählte, dass sie sich in den Kreißsaal zu den wehenden Frauen geschlichen habe, weil sie ihnen nah sein wollte, um sie ein wenig zu unterstützen. Es war ihr ein inneres Bedürfnis und sie konnte die Frauen nicht alleine lassen.

 

Sie streichelte das Haar der Gebärenden, hielt ihre Hand und sagte ihr ein paar nette Worte. Mehr nicht. Eine dem Wissenschaftlerteam angehörende Ethnologin fand einige Zeit später einen Namen bzw. eine Bezeichnung dafür, was Wendy tat.

 

Sie entdeckte das griechische Wort "douleia", was "der Frau dienen" bedeutet und bezeichnete Wendy als "Doula". Die Wissenschaftler Dr. Klaus und Dr. Kennell führten aufgrund der Ergebnisse von Wendy erste Studien zum Effekt der Doula-Geburtsbegleitung durch.

Studien zur kontinuierlichen Geburtsbegleitung

Die Studie, "Kontinuierliche Unterstützung für Frauen während der Geburt", wurde von der angesehenen Cochrane  Collaboration anhand der Erfahrungen von fast 13.000 Frauen durchgeführt. Diese internationale Organisation entwirft und hält aktuelle, strenge systematische Reviews über die hoch qualitativen Studien in vielen Bereichen der Gesundheitsvorsorge und Medizin fest.

 

Verglichen mit Frauen ohne kontinuierliche Betreuung, liefen jene, die kontinuierliche Unterstützung von einer außenstehenden (nicht der Klinik zugehörigen) Person hatten, bedeutend weniger Risiko, einen Kaiserschnitt zu haben oder andere Interventionen und Unzufriedenheit zu erleiden.

 

Diese Frauen hatten:

                  26% weniger Risiko, per Kaiserschnitt zu  gebären,

                  41% weniger Risiko, mit Saugglocke oder Zange zu gebären,

                  28% weniger Risiko, irgendein Schmerzmittel oder Anästhesie und

                  33% weniger Risiko, unzufrieden zu sein oder ihre Geburtserfahrung negativ zu beurteilen.

 

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass alle Frauen Unterstützung während der gesamten Wehentätigkeit und Geburt haben sollten. Dies wird u.a. bereits seit Jahrzehnten von der Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert.

 

Die WHO empfiehlt in ihrem „WHO Safe Childbirth Checklist Implementation Guide“ auf Seite 48 ausdrücklich Doulas. Babyfreundlich zertifizierte Kliniken (www.babyfreundlich.org) setzen diese Forderungen auch teilweise um.

 

Es geht weniger darum, eine Geburt gut zu planen als sich emotional, mental und den eigenen Körper positiv zu stärken und sich in Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt als Mutter vorzubereiten. Denn dies ist eine Zeit des Wandels, des Übergangs, begleitet von viel Freude aber auch von Tränen.

 

Gebären ist ein zutiefst weiblicher, natürlicher Vorgang und ALLE Frauen verfügen über die Kompetenz, zu gebären. Der Beginn des Lebens sollte ein heiliger, feierlicher Augenblick sein  -  und in privater Atmosphäre mit vertrauten Menschen sein Kind begrüßen zu dürfen, ist eine hervorragende Basis für die spätere Bindung und Beziehung zwischen Kind, Mutter und Vater.    

*Nachfolgender Text mit Genehmigung von Melanie Schöne (Copyright) - Leiterin Doula Aus- und Weiterbildung - Autorin - Filmemacherin - www.meine-doula.de